Wie geht es weiter?
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Transsexuellengesetz
OP-Bericht von Marie
Wie geht es weiter?
Privat

Der Wechsel der Geschlechtsrolle kann, muss aber nicht, zu sozialen Problemen führen. Bei den meisten Menschen halten sich die sozialen Probleme aber in Grenzen. Also nur Mut!

Partnerschaften können zerbrechen, müssen aber nicht. Selbst bei verheirateten Paaren gibt es ettliche Fälle, wo beide auch noch nach dem "Outing" des Partners/der Partnerin weiter zusammenlebten. Ist aber nicht die Regel.

Kinder verkraften den Rollenwechsel (vater zu Mutter, Mutter zu Vater) eines Elternteils meistens wesentlich besser als erwartet; Ausnahmen sind besonders Kinder in der Pubertät und Kinder, die von außen stark gegen den betroffenen Elternteil beeinflusst werden.

Auch der Verlust des Arbeitsplatzes, der früher als so selbstverständlich galt, dass von vorneherein zur eigenen Kündigung geraten wurde, ist wesentlich seltener geworden – unter anderem deshalb, weil der Europäische Gerichtshof die Kündigung eines Menschen auf Grund von Transsexualität mittlerweile zur verbotenen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts erklärt hat. Aber nicht nur deshalb. Die Gesellschaft hat gelernt, uns zu akzeptieren. Nicht alle menschen tuns, aber die überwiegende Mehrheit.

Auch wenn Kündigungen seltener geworden sind, Rückstufungen im Beruf und Mobbing sind es leider nicht. Hier müsst ihr euch auf etwas gefasst machen. Deutschland ist - auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen - immer noch eines der Transsexuellen-feindlichsten Ländern (gemeinsam mit den anderen deutschsprachigen Ländern, Kanada und USA).


Therapie

Das Transsexuellengesetz verlangt immer noch zwei psychiatrische Gutachten und die (menschenverachtenden) "Standards zur Behandlung Transsexueller" verlangen eine Psychotherapie (wie auch der MDS -> siehe Menüpunkt "Krankenkasse"). Obwohl man weiß, dass transsexuelle Menschen nicht therapierbar sind, da Transsexualität angeboren ist und keine psychische störung darstellt.

Eine begleitende psychotherapie kann aber dennoch nützlich sein, nur solltet ihr schauen, dass ihr auch wirklich bei einem Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie) landet. Da ihr - aus Sicht eurer Umwelt - eure Geschlechtsrolle wechselt (und aus Sicht der Doofen auch euer Geschlecht), müsst ihr mit privaten und geschäftlichen problemen rechnen, die sehr belastend sein können. Meist wird euch ein Therapeut deshalb eine "Anpassungsstörung" diagnostizieren. Das ist ok und bedeutet keine Diskriminierung. Es beschreibt nur, dass ihr euch in einem Umfeld zurechtfinden müsst, das plötzlich evtl. Probleme mit euch hat.

Außerdem ist so eine begleitung wichtig, denn ohne den Nachweis professioneller Begleitung ist es nahezu unmöglich, die für die Inanspruchnahme medizinischer Maßnahmen die erforderlichen Gutachten und Stellungnahmen zu erhalten.


Endokrinologische Maßnahmen

Die endokrinologischen Maßnahmen dienen dazu, den Körper soweit als möglich dem eigenen Geschlecht anzugleichen. Bei der Hormonbehandlung werden euch die Sexualhormone eures eigentlichen Geschlechts zugeführt und die Bildung der Sexualhormone, die ihr zuviel im Blut habt, unterdrückt. Die Hormonbehandlung leitet eine Art zweite Pubertät und damit die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale ein. (Näheres zur Hormonbehandlung siehe: Menüpunkt "Hormone")

Bei transsexuellen Frauen wird die Haut dünner und trockener, das Körperfett verlagert sich hin zu Gesicht, Brust (Gynäkomastie) und auch zu Hüften und Gesäß. Die Körperbehaarung geht zurück. Auch testosteronbedingter Haarausfall kann sich teilweise zurückbilden. Der Bartwuchs wird allerdings kaum beeinflusst. Die Hoden schrumpfen, die Produktion von Sperma bleibt aus (Hodenatrophie). Die Libido (=Sexlust) geht zurück. Langfristig bildet sich auch die Muskulatur zurück, und die körperliche Belastbarkeit sinkt.

Entsprechend wird bei transsexuellen Männern die Haut grobporiger, das Fett verlagert sich von der Hüfte hin zur Taille, die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt als Folge weiteren Muskelaufbaus zu, Bartwuchs setzt ein, die Körperbehaarung kann zunehmen, und die Klitoris wird größer. Das Testosteron bewirkt ein Ende der Regelblutungen, das Einsetzen des Stimmbruchs und häufig eine Intensivierung der Libido.

Zum Vermeiden gesundheitlicher Schäden durch Hormonmangel ist eine lebenslange Hormonsubstitution erforderlich.


Chirurgische und sonstige Maßnahmen

Zusätzlich zur Hormonbehandlung sind auch geschlechtsangleichende Operationen möglich; im allgemeinen gilt zumindest der Wunsch nach diesen Maßnahmen als notwendige Bedingung für die Diagnose "Transsexualität" - leider immer noch. Welche Maßnahmen hier von der Krankenkasse in der regel und unter welchen Bedingungen bezahlt werden, sagt euch das Papier des MDS (siehe Menüpunkt: "Krankenkasse")



Vornamensänderung/Personenstandsänderung

Dies regelt das Transsexuellengesetz (siehe Menüpunkt "Transsexuellengesetz").

Eine Vornamensänderung muss beim Amtsgericht in Stuttgart formlos beantragt werden. Hier solltet ihr zwei Gutachter vorschlagen, damit das Gericht nicht irgend jemanden bestimmt. Für den Großraum Stuttgart sind das in der Regel Dr. Dr. Rosenau (Böblingen), Dr. Netzold (Reutlingen) und Prof. Dr. Täschner (Stuttgart).

Gleiches gilt für die Änderung des Geschlechtseintrages. Wobei ihr euch dafür zuvor medizinischen Maßnahmen unterziehen müsst.
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